Nico
Bleutge
Nico
Bleutge wurde 1972 in München geboren. Er studierte von 1993-1998
Neuere Deutsche Literatur, Allgemeine Rhetorik und Philosophie in
Tübingen. Heute lebt er in Berlin.
Seit 2001 arbeitet er als freier Literaturkritiker unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, die Neue Zürcher Zeitung, den Tagesspiegel
und die Stuttgarter Zeitung. 2009 wurde in
der ORF-Reihe "Literatur als Radiokunst" das Stück
"wasser. steine" gesendet. Er arbeitet an einer Dissertation
über Robert Musil.
Seine Gedichte wurden in zahlreichen Anthologien und
Literaturzeitschriften veröffentlicht.
2006 debütierte er mit dem Gedichtband „klare Konturen“.
2008 folgte der Gedichtband "fallstreifen"
Zwei Gedichte aus: klare konturen (2006)
wolkiger
himmel. am bildrand liegen äste aus
gestreckt
über dem wasser, die langen finger
greifen
weit hinaus und halten das meer
in
der bucht. beim genauen hinsehen
ist
der horizont nicht glatt, sondern fein
geriffelt,
das licht kommt immer ein wenig zu früh
oder
zu spät aus den wellen zurück, je nachdem
wie
schnell sich die augen scharf stellen
sie
laufen dem glanz hinterher, den ästen
reicht
diese zeit völlig aus, sie bleiben weich
und
fest in der haut, an den händen
schaukelt
das wasser sich auf und der dunst
verwischt
bald die konturen, die kleinen rillen
am
rand des bildes, der fingerkuppen.
der blick steckt das feld ab sein schweifen
nimmt sich die zunge zum maß die greift ein
silbig sand auf und kreuz und blech und schild
um schild kratzt sie die namen zusammen
farbschichten blöcke strähnen von lehm
auf den gräbern verschmiert ... unser vater
schütze seine trockene haut eine hölzerne
ziffer ... die hände der blick schmilzt langsam
kriechen die finger den stein entlang schleifen
und kränze rosen aus grobem vergilbtem
stoff streicht die spuren ein licht fällt noch
senkrecht auf die granitfläche der staub hält
die namen verschlossen der mund sucht
was morsch ist feucht zu machen und still
löst haut sich vom gaumen die stimme
Auszeichnungen