REINER
KUNZE, geb. 1933
Die
diestel schmeichelt mit weichem fell
Die
mohnblume wirft ihr kleid ab
wie
eine schwangere
Die
kamille franst aus
an
den knöpfen
Die
wegwarte schließt sich
und
ergraut

SARAH
KIRSCH geb. 1935
Welche
Unordnung die Rosenblätter
Sind
aus den Angeln gefallen der Wind
Blies
sie ums Haus auf die Gemüsebeete.
Streng
getrennt wachsen hier in den Gärten
Magen-
und Augenpflanzen, der Schönheit
Bleibt
ein einziges Beet
Während
den ausgerichteten Reihen Früher Kartoffeln Möhren Endivien Kohl
Ein
Exerzierplatz eingeräumt wird.
Die
Wirrnis des Gartens verwirrt
Auch
den Gärtner, jetzt muss
Durchgegriffen
werden angetreten Salat
Richtet
euch Teltower Rüben Rapunzel
Auf
den Abfallhaufen Franzosenkraut
Wucherblume
falsche Kamille und Quecke
Es
ist verboten die nackten Füße
Wieder
ins Erdreich zu stecken.

ULLA
HAHN geb. 1946
Aber
die Hoffnung hat kein Verfallsdatum
Das
Rauschen der Wellen
Das
Rauschen der Wälder
Nur
welkes Laub zerfällt und die Kronen aus Schaum.

PETER
FOX geb. 1971
Haus
am See (Songtext)
Hier
bin ich gebor’n und laufe durch die Straßen!Kenn die Gesichter, jedes Haus
und jeden Laden! Ich muss mal weg, kenn jede Taube hier beim Namen.Daumen raus
ich warte auf ne schicke Frau mit schnellem Wagen.Die Sonne blendet alles fliegt
vorbei. Und die Welt hinter mir wird langsam klein. Doch die Welt vor mir ist
für mich gemacht!Ich weiß sie wartet und ich hol sie ab!Ich hab den Tag auf
meiner Seite ich hab Rückenwind! Ein Frauenchor am Straßenrand der für mich
singt! Ich lehne mich zurück und guck ins tiefe Blau, schließ die Augen und
lauf einfach geradeaus.
Und
am Ende der Straße steht ein Haus am See. Orangenblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön. Alle kommen vorbei ich brauch nie
rauszugehen.
Ich
suche neues Land Mit unbekannten Straßen, fremde Gesichter und keiner kennt
meinen Namen! Alles gewonnen beim Spiel mit gezinkten Karten. Alles verlieren,
Gott hat einen harten linken Haken. Ich grabe Schätze aus im Schnee und Sand.
Und Frauen rauben mir jeden Verstand! Doch irgendwann werd ich vom Glück
verfolgt. Und komm zurück mit beiden Taschen voll Gold. Ich lad‘ die alten
Vögel und Verwandten ein. Und alle fangen vor Freude an zu weinen. Wir grillen,
die Mamas kochen und wir saufen Schnaps. Und feiern eine Woche jede Nacht.
Und
der Mond scheint hell auf mein Haus am See. Orangenblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön. Alle kommen vorbei ich brauch nie
rauszugehen.
Und
am Ende der Straße steht ein Haus am See. Orangenblätter liegen auf dem Weg.
Ich hab 20 Kinder meine Frau ist schön. Alle kommen vorbei ich brauch nie
rauszugehn.
Hier
bin ich gebor’n, hier werd ich begraben. Hab taube Ohr’n, ‚nen weißen
Bart und sitz im Garten. Meine 100 Enkel spielen Cricket auf’m Rasen. Wenn ich
so daran denke kann ich’s eigentlich kaum erwarten.

ULRICH SCHACHT geb. 1951
FERNER
MORGEN, von dem ich träume:
Seine
Weite wird ungeheuer sein.
Wir
werden gehen können –aufrecht im Licht.
Das
Wasser aller Bäche Flüsse Seen:
durchschaubar
bis auf den Grund, wo der Tag
die
Leiber der Fische versilbert. -
Und
auch seine Klarheit wird uns gehören.
Wir
werden sehen können alle Farben dieser Stunde:
das
Schwarz schattenspendender Felsen,
das
Rot einer behutsamen Sonne, das Gelb getreidebestandener Ebenen.
Und
bald darauf werden wir Höfe betreten, vertraute Häuser, darin wir zuvor
niemals waren – werden Brot und Salz finden

WALTER
HELMUT FRITZ 1929-
20.11.2010 ( ! )
Wieder
hat man in der Stadt,
um
Parkplätze zu schaffen,
Platanen
gefällt.
Sie
wussten viel.
Wenn
wir in ihrer Nähe waren, begrüßten wir sie als Freunde.
Inzwischen
ist es fast zu einem Verbrechen geworden,
nicht
über Bäume zu sprechen,
ihre
Wurzeln, den Wind, die Vögel,
die
sich in ihnen niederlassen,
den
Frieden, an den sie uns erinnern.

JÜRGEN
BECKER geb. 1932
in
der Nähe des Hauses,
der
Kahlschlag, Kieshügel, Kratererinnern mich daran –
nichts
Neues; kaputte Natur,
aber
ich vergesse das gern,
solange
ein Strauch steht

WILHELM
LEHMANN 1882-1968
Der
Duft des zweiten Heus schwebt auf dem Wege,
Es
ist August. Kein Wolkenzug.
Kein
grober Wind ist auf den Gängen rege,
Nur
Distelsame wiegt ihm leicht genug.
Der
Krieg der Welt ist hier verklungene Geschichte,
Ein
Spiel der Schmetterlinge, weilt die Zeit.
Mozart
hat komponiert, und Shakespeare schrieb Gedichte.
So
sei zu hören sie bereit.
Ein
Apfel fällt. Die Kühe rupfen.
Im
Heckenausschnitt blaut das Meer.
Die
Zither hör ich Don Giovanni zupfen,
Bassanio
rudert Portia von Belmont her.
Auch
die Empörten lassen sich erbitten,
Auch
Timon von Athen und König Lear.
Vor
dem Vergessen schützt sie, was sie litten.
Sie
sprechen schon. Sie setzen sich zu dir.
Die
Zeit steht still. Die Zirkelschnecke bändert
Ihr
Haus. Kordelias leises Lachen hallt
Durch
die Jahrhunderte. Es hat sich nichts geändert.
Jung
bin mit ihr ich, mit dem König alt.
Ende eines Sommers
Wer
möchte leben ohne den Trost der Bäume!
Wie
gut, dass sie am Sterben teilhaben!
Die
Pfirsiche sind geerntet, die Pflaumen färben sich,
während
unter dem Brückenbogen die Zeit rauscht.
Dem
Vogelzug vertraue ich meine Verzweiflung an.
Er
misst seinen Teil von Ewigkeit gelassen ab. Seine Strecken
Werden
sichtbar im Blattwerk als dunkler Zwang,
die
Bewegung der Flügel färbt die Früchte.
Es
heißt Geduld haben.
Bald
wird die Vogelschrift entsiegelt,
unter
der Zunge ist der Pfennig zu schmecken.
JAN
WAGNER geb. 1971
den
tagen geht das licht aus
und
eine stunde dauert zehn minuten.
die
bäume spielten ihre letzten farben.
am
himmel wechselt man die bühnenbilder
zu
rasch für das kleine drama in jedem von uns:
den
tagen geht das licht aus.
dein
grauer mantel trennt dich von der luft,
ein
passepartout für einen satz wie diesen:
die
bäume spielten ihre letzten farben.
eisblaue
fenster – auf den wetterkarten
der
fernsehgeräte die daumenabdrücke des tiefs.
den
tagen geht das licht aus,
dem
leeren park, dem teich: die enten
werden
an unsichtbaren fäden aufgerollt.
die
bäume spielten ihre letzten farben.
und
einer, der sich mit drei sonnenblumen ins dunkel tastet,
drei
schwarzen punkten auf gelb:
den
tagen geht das licht aus.
die
bäume spielten ihre letzten farben.
OSKAR
LOERKE 1884-1941
Weichbild
Niemand
ging verloren.
Das
Korn selbst schläft gezählt in den Ähren,
Doch
bangt sich ein Wehruf unstillbar.
Niemand
ward erschlagen.
Doch
bücken im Zwielicht sich Hände
Und
waschen Blut von der Erde.
Alles
hat seinen Ort: hier bin ich!
Im
Garten blühn Pantoffelblumen.
Ach!
und die Sterne steigen
In
die verlassenen Wassertröge.
Blauer
Abend in Berlin
Der
Himmel fließt in steinernen Kanälen,
Denn
zu Kanälen steilrecht ausgehauen
Sind
alle Straßen, voll vom Himmelblauen;
Und
Kuppeln gleichen Bojen, Schlote Pfählen
Im
Wasser. Schwarze Essensdämpfe schwelen
Und
sind wie Wasserpflanzen anzuschauen.
Die
Leben, die sich ganz im Grunde stauen,
Beginnen
sacht vom Himmel zu erzählen,
Gemengt,
entwirrt nach blauen Melodien.
Wie
eines Wassers Bodensatz und Tand
Regt
sie des Wassers Wille und Verstand
Im
Dünen, Kommen, Gehen, Gleiten, Ziehen.
Die
Menschen sind wie grober bunter Sand
im
linden Spiel der großen Wellenhand.
PETER
HUCHEL1903-1981
Dass
aus dem Samen des Menschen
Kein
Mensch
Und
aus dem Samen des Ölbaums
Kein
Ölbaum
Werde,
Es ist zu messen Mit der Elle des Todes.
Die
da wohnen
Unter
der Erde In einer Kugel aus Zement, Ihre Stärke gleicht
Dem
Halm Im peitschenden Schnee.
Die
Öde wird Geschichte. Termiten schreiben sie
Mit
ihren Zangen In den Sand.
Und
nicht erforscht wird werden
Ein
Geschlecht,
Eifrig
bemüht,
Sich
zu vernichten.
CHARLES
LATANE
Meeresbiologische
Erkenntnisse
Es
hat der Hering, so viel ist klar,
An
Bauch und Rücken kein einziges Haar.
Klar
ist auch, der Scholle Augen
Beide
zur selben Seite schaugen.
Am
klarsten aber ist in jedem Falle Die Qualle
WILHELM
LEHMANN 1882-1968
Der
Unheilige
Schwarzgefleckt
sind meine Schwingen
Dichten
muss ich um zu leben
Jenseits
meines Weges liegt das Land der blauen Schatten
Finkenbunte
Bäume schütteln sich ihr Gefieder
Sieh,
die Ammer kennt man schon im Fluge an dem langen Schwanze
Und
der Sommersänger hat vier rostig braune Flügel –
Eilig
sind in diesem Jahr gereift die Früchte
Die
Kastanie und die Hagebutte wölbt sich schon:
Fruchtlos
zieh ich meine heißen dürren Wege
Dichten
muss ich um zu leben.
OSKAR
LOERKE1884-1941
Diesseits
Da
die Sonne mit ihrem Winde
Die
Wipfel der Linden und Lebensbäume
Auseinanderbläst
und eintritt:
Weckt
mich Licht und Gerausch, als verschlüge
Jemand
ein Buch mir, das ich, entwandert,
In
seinem Jenseits gelesen hätte –
Nun
ist es aus meinen Händen verschwunden.
Doch
Licht ruft in Zungen aus dem Blattzelt:
Ich
habe keine heiligen Schriften geschrieben, Ich wollte niemals heilige Schriften
schreiben, Ich will im schönen Erdengarten bleiben.
KAY
HOFF geb. 1924
Privat
Wenn
endlich, sehr spät,
das
einsame Fenster verlischt, und die Nacht
sickert
ungeklärt in die Zeit ,
trübe
von eitlen Hoffnungen,
vergeblichen
Wünschen:
träumst
du, vielleicht,
noch
einmal die offene See,
den
seidigen Strand unter dir, unter uns
weißt
den Widerschein von Wellen und Steinen
und
die alten Wahrheiten,
mit
denen wir lebten
und
leben.
INGE
TITZCK, geb. 1931
Sonne
leuchtet uns fort
vom
Treiben der Welt
Wind
verwirbelt
ihre
Wortfetzen zu Unendlichkeit verwehen unsere Spuren
im
Sand der Dünen unterm Horizont
strahlt
Ginster in seinem Gelb
die
Lerche steigt
aber
unser Fuß
berührt
die Erde
GOTTFRIED
BENN 1886-1956
Astern
– schwälende Tage,
alte
Beschwörung, Bann,
die
Götter halten die Waage
eine
zögernde Stunde an.
Noch
einmal die goldenen Herden
der
Himmel, das Licht, der Flor,
was
brütet das alte Werden
unter
den sterbenden Flügeln vor?
Noch
einmal das Ersehnte,
den
Rausch, der Rosen Du –
der
Sommer stand und lehnte
und
sah den Schwalben zu,
noch
einmal ein Vermuten,
wo
längst Gewissheit wacht:
die
Schwalben streifen die Fluten
und
trinken Fahrt und Nacht.
Erschütterer
-: Anemone,
die
Erde ist kalt, ist nichts,
da
murmelt deine Krone
ein
Wort des Glaubens, des Lichts.
Der
Erde ohne Güte.
der
nur die Macht gerät,
ward
deine leise Blüte
so
schweigend hingesät.
Erschütterer
-: Anemone,
du
trägst den Glauben, das Licht,
den
einst der Sommer als Krone
aus
großen Blüten flicht.
OSKAR
LOERKE 1884-1941
Ein Floß
schwimmt aus dem fernen Himmelsrande,
Drauf tönt es
dünn und blass
Wie eine alte
süße Sarabande
Das Auge wird
mir nass.
Es ist, wie
wenn den weiten Horizonten
Die Seele
übergeht,
Der Himmel auf
den Ebnen, den besonnten,
Aufhorcht wie
ein Prophet.
Und eine arme
Weise in die Ohren
Der höhern
Himmel spricht:
Das Spielen
wankt, im Spielen unverloren,
Das Licht
wankt durch das Licht.
Heute fährt
der Gott der Welt auf einem Floße,
Er sitzt auf
Schilf und Rohr,
Und spielt die
sanfte, abendliche, große,
Und die spielt
die Welt sich vor.
Er spielt das
große Licht der Welt zur Neige,
Tief aus sich
her den Strom
Durch Ebnen
mit der Schwermut langer Steige
Und
Ewigkeitsarom.
Er baut die
Ebenen und ihre Städte
Mit weichen
Mundes Ton
Und alles
Werden bis in dieses späte
Verspieltsein
und Verlohn:
Doch alles
wird zu stillendem Genusse
Den Augen
bloß, dem Ohr.
So fährt er
selig auf dem Flusse
Und spielt die
Welt sich vor.
So fährt sein
Licht und ist bald bei den größern,
Orion, Schwan
und Bär:
Sie alle
scheinen Flöße schon mit Flößern
Der Welt ins
leere Meer.
Bald wird die
Grundharmonika verhallen,
Die Seele
schläft mir ein,
Bald wird der
Wind aus seiner Höhle fallen,
Die Tiefe
nicht mehr sein.
Hört
das Geklirr, hört das Gescharr!
Ins
Ohr schleppt uns die Welt der Wind.
Ihr
nennt uns irr, ihr nennt uns Narr,
Weil
wir dem Wehn verschworen sind.
Ihr
hört im Walde nur Gelull,
Und
wie ihr wollt, lullt es euch ein.
Der
Holzwurm sägt, es fällt der Mull,
Bald
wird kein Wald gewesen sein.
Bleibt
reich! Wir lagern uns im Ton
Des
Wehns auf eine Gabel Stroh,
Wir
sind sein Sohnessohn und Sohn;
Wie
klang es einst? Es klingt noch so:
Wenn
es, wo Herbst, der Vielzahn, äst,
Durch
gelb und roter Runen Fall
Aus
einem andern Reiche bläst,
Dann
tritt die Göttin aus dem Schwall.
Sie
spricht uns an: „Verwaltet ihr
Das
Wesen Wind, das Wesen Licht,
So
walten wir. Erkaltet ihr
Und
lebt nur euch, so sind wir nicht.“
LUDWIG
GREVE (1924-1991)
Sand
über Sand: die Körner, jedes ein Lichtkorn.
Unsere
Füße glänzen,
wenn
sie aufnimmt das leicht gehäufte Grab,
und
sie entrinnen leichter, der Kraft enthoben.
Vorne,
am feuchten Rand der Insel,
trägt
uns der Rücken großen Fisches; die Wellen
drückten
ihm Schuppen ein,
eh
sie auf zart geschriebener Grenze
Abschied
nahmen. Einige, halb gezähmt,
hüllen
das Licht in Körper; ich sehe es atmen,
während
langsam das Ufer
Strömung,
Strömung mit glasiger Haut überzieht.
Nimm
das Feste von uns,
Meer,
beruhige diesen störrischen Willen.
Draußen
dein Schwall, dein Sturz und wieder die Glätte
rollenden
Augapfels: Erde, Sonne
auf
deiner Iris – erschüttert vom Anfang,
trübt
sich das Weiße, runzelt und bricht die Wellen.
Hier.
Im Ruch gefangener Fische.
Auf
dem Boden, tönend wie eine Brust,
Halme,
vom Wind gestriegelt, blinken metallisch,
aber
der Eintönige, Helle
facht
kein Feuer mehr an. Die Haare streift dir
Dämmerung,
weißer Flügel. Wir sind allein.
Um
uns die leere, Salzkorn an Salzkorn;
Leere,
Erwartung -.
REIMER
WITTMANN
Zwielicht
und frühe Dämmrung
begleiten
meinen Gang,
mir
nach vom First im Ohre
tönt
später Amsel Sang.
Der
Waldpfad, hell und dunkel,
gefleckt
vom milden Licht,
ein
Specht, energisch hämmernd,
die
Stille unterbricht.
Wie
auf geheimes Zeichen
löst
sich das Blatt vom Baum,
ein
Moderduft von Pilzen,
am
Himmel Zirrenschaum.
Laub,
Moos und Fichtennadeln
dämpfen
den schnellen Schritt
,grotesk
gelängt, mein Schatten
wandert
beharrlich mit.
Der
glatte Stamm der Buche
zieht
wipfelwärts den Blick,
verweilt
in dunkler Krone,
kehrt
bald zum Grund zurück.
Es
ruhen die Hortensien,
Glyzinie
entlaubt;
Wind
beugt der Felsenbirne
das
blanke, kühle Haupt.
Der
Feuerdorn erloschen,
zerschlissen
Vogelnest;
nur
noch das Gimpelmännchen
rotbrüstig
im Geäst.
Der
Oleander schlummert
im
Gartenhaus vermummt;
Grasmücke
längst verflogen,
Amselgesang
verstummt.
Auf
dem Podeste Amor
eisgrau
und regennass;
Krähen
und Elstern schnarren,
der
Rasen winterblass.
Das
blaue Flammenwunder
des
Rittersporns – verglüht;
Nebel
und Grabeskühle
im
Garten, im Gemüt.
Ich
bin wie die Erzväter
des
Lebens übersatt;
die
Lust ist ausgelaufen,
Gehirn
und Sinne matt.
Doch
Ribes, Rhododendron
sind
schon von Knospen schwer.
Herz,
wirst du wieder tauchen
in
Sommers Blütenmeer?
WILHELM
LEHMANN 1882-1968
Verwandle
dich und werde leicht,
Zerfasere
zu Samenhaar,
Gemindert
schwebt, ein dünnes Korn,
Was
gestern Strahlenball noch war.
Verwandlungsträchtig,
warst du kaum,
Und
saugst dich frisch im Leben fest,
Das
dich und mich, treuloser Staub,
An
keiner Stelle weilen lässt.
Begleite
Vers die Flüchtigkeit.
Gebiete
er, gebiete zart;
Sei,
wie von meinem Finger du,
Das
Schwindende von ihm bewahrt.
Ein
zweites Dasein überwächst
Das
erste, das geopfert liegt.
Verweh
es denn wie Löwenzahn,
Damit
es traumgekräftigt fliegt.